Sport mit geistig behinderten Erwachsenen in der Werkstatt für Behinderte Am Neuenberg

Das TPS (Theorie - Praxis - Seminar) "Sport mit geistig behinderten Erwachsenen" findet in zwei Formen statt, nämlich in Form von Rehabilitativer Bewegungserziehung in der Turnhalle sowie von Schwimmen, und wird seit 1996 von Frau Prof. Dr. Ludwig betreut.

Aufgaben und Ziele des Sports mit geistig behinderten Menschen:

Ein bedeutendes Ziel beim Sport mit geistig behinderten Menschen ist die Vermittlung von Freude an der Bewegung, die Förderung eines physischen und psychischen Wohlbefindens sowie das Erreichen eines höchstmöglichen Grades an Selbständigkeit.

TPS "Rehabilitative Bewegungserziehung mit geistig Behinderten"

1. Beschreibung des Umfeldes der Veranstaltung

Zur Sportgruppe in der Turnhalle gehören drei weibliche und acht männliche geistig behinderte Erwachsene, die im Rahmen der arbeitsbegleitenden Maßnahmen einmal in der Woche an der Rehabilitativen Bewegungserziehung teilnehmen.

Die Teilnehmer sind im Alter zwischen 32 und 49 Jahren und arbeiten teilweise zusammen in einer Arbeitsgruppe.
Die oft mit einer geistigen Behinderung einhergehenden motorischen Defizite erschweren die Integration im Alltag.
Die Mitarbeiter der WfbM können meist keine geeigneten sportlichen Freizeitbeschäftigungen nach ihrer monotonen Arbeitstätigkeit nutzen. Aus diesen Gründen dient der Sport für geistig behinderte Menschen dem Ausgleich zur Arbeit in der WfbM und dem Erhalt der motorischen Handlungskompetenz für das tägliche Leben. Beispielsweise wird bei der Haltungsschulung das rückengerechte Stehen und Sitzen geübt, um den Mitarbeitern die Wichtigkeit der Haltung zu verdeutlichen und eventuellen Rückenschmerzen vorzubeugen. Außerdem lernen die Mitarbeiter durch die Erfahrung der persönlichen Grenzen im Sport, sich selber besser einzuschätzen. Das wiederum bildet eine Basis für ein erfolgsmotiviertes motorisches Handeln.

Dadurch kann den altersbedingten Funktionsbeeinträchtigungen entgegengewirkt werden, um möglichst lange eine selbständige Lebensführung zu erhalten. Außerdem ist die Fähigkeit, sich weitestgehend uneingeschränkt bewegen zu können, ausschlaggebend für die Lebensqualität älterer Menschen. So werden die Bewegungen mit ansteigendem Alter langsamer und unsicherer. Der Unsicherheit kann durch regelmäßigen Sport entgegengewirkt werden. Dadurch können die Alltagsverrichtungen zuverlässiger und sicherer bewältigt werden, die motorische Handlungskompetenz bleibt erhalten, wodurch das Selbstwertgefühl gesteigert wird.

Da das Leistungsniveau der Gruppe stark heterogen ist, müssen die Leistungsanforderungen teilweise herabgesetzt und die Übungen individuell didaktisch differenziert werden. Dabei stellt die Berücksichtigung der Auswirkungen der geistigen Behinderung eine besondere Herausforderung an die Gestaltung der Bewegungserziehung.

2. Anliegen des TPS:

Als Aufgaben im TPS geht es um:

  • Vervollkommnung der motorischen Leistungsfähigkeit
  • Prävention und Minderung gesundheitlicher Beeinträchtigungen
  • Erwerb sozialer Kompetenz über das Einhalten von Spielregeln, Fairneß und gegenseitigen Rücksichtnahme, Beeinflussung emotionaler Prozesse, Bewegungsfreude
  • Schulung der koordinativen Fähigkeiten: Gleichgewichts-, Reaktions-, räumliche Orientierungs-, kinästhetische Differenzierungsfähigkeit, Rhythmusfähigkeit
  • Schulung der konditionellen Fähigkeiten: Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit
  • Vervollkommnung motorischer Fertigkeiten: Gehen, Laufen, Hüpfen, Fangen, Klettern, Werfen
  • Erweiterung kommunikativer Fähigkeiten: gemeinsames Sprechen, einander Helfen, einander Akzeptieren und gemeinsames Erleben

 

TPS "Schwimmen mit behinderten erwachsenen Menschen"

1. Beschreibung des Umfeldes der Veranstaltung

Das TPS "Schwimmen mit behinderten erwachsenen Menschen" findet seit 2002 nicht mehr dienstags im der WfbM der Caritas in Fulda, sondern im öffenrlichen Schwimmbad Ziehers Nord statt. Der Vorteil gegenüber einem öffentlichen Schwimmbad bestand darin, daß wir es während des TPS allein benutzen, so daß kaum Störungen von außen bzw. durch andere Hallenbesucher gegeben waren. Durch das bekannte Umfeld war ein konzentriertes und ungestörtes Leben und arbeiten möglich. Als großer Nachteil wäre jedoch der fehlende Kontakt nach außen und somit eine Isolation der Teilnehmer in der WfbM zu nennen, was nun durch die Nutzung des öffentlichen Schwimmbades gegeben ist.

Durch die veränderte Geräuschkulisse, Wasserspieglungen und Lichtspiegelungen in der Schwimmhalle sind an alle Beteiligten hohe Wahrnehmungsleistungen durch die Reizüberflutung zu berücksichtigen. Laute und deutliche Anweisungen des Übungsleiters sind notwendig, um von allen Teilnehmern gehört zu werden. Ebenfalls sollte der Übungsleiter ständig die Aufsichtspflicht wahren, da im Wasser Badeunfälle und Kreislaufprobleme auftreten können.

2. Anliegen des Schwimmens mit geistig behinderten Menschen

Im Schwimmen mit geistig Behinderten steht als oberstes Ziel, wie in vielen anderen Bereichen auch, die Befähigung zur Lebensbewältigung durch die Förderung des Selbstverwirklichungs- und Selbstteuerungsvermögens.

Gerade das Medium Wasser hat durch seinen Auftrieb, seiner Wärme und seiner Schwerelosigkeit bei den meisten Behinderten einen "bewegungsauslösenden Charakter". Besonders stark bewegungseingeschränkte Behinderte erfahren im Wasser Erfolgserlebnisse, z.B. indem sie merken, daß Bewegungen Spaß machen können und sie im Wasser die Möglichkeit haben, sich auch einmal ohne fremde Hilfe zu bewegen.

Außerdem kann der Aufenthalt im Wasser helfen Ängste abzubauen, Hemmungen zu überwinden oder die Möglichkeit geben, Aggressionen kontrolliert auszuleben.

Das Hauptziel diese TPS ist die Schulung koordinativer Fähigkeiten, wie die Gleichgewichtsschulung und die Schulung der Kopplungs- und Rhythmusfähigkeit im Wasser. Den geistig behinderten Erwachsenen soll dies eine Unterstützung beim Erlernen einer Schwimmtechnik und zur Erweiterung ihrer Handlungskompetenz im Wasser sein.

Für die Schwimmer steht die Verbesserung der Techniken des Brust- und Rückenschwimmens als zentrales Ziel dieses TPS.

Vor allem soll dieses TPS den Teilnehmern Spaß am Bewegen im Wasser und am Spiel näher bringen. Ebenso die Freude am Sport und an der Bewegung an sich. Durch Erfolgserlebnisse wird das Selbstbewußtsein des Einzelnen gesteigert.

Die Teilnehmer sollen mehr Sicherheit im Umgang mit dem Wasser gewinnen und lernen, sich möglichst selbständig im Wasser fortzubewegen. Ebenso wichtig ist aber auch die Anerkennung durch die anderen, Lob und Erfolgserlebnisse. Aber auch durch die Haltungsschulung kann ein Ausgleich und eine Entlastung zum Alltag geschaffen werden. Zusätzlich werden für die Teilnehmer sportliche Aktivitäten, Wettkämpfe und Olympiaden angeboten, die jedoch unabhängig zu dieser Veranstaltung organisiert werden.